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Kultur
16.08.2022
16.08.2022 15:57 Uhr

Einzigartige Truhe als Geschenk

Die geschenkte Truhe dürfte um 1720 entstanden sein. Besonders schön sind die Renaissancesträusse in den vier symmetrisch angeordneten Feldern. Zur Zeit ausgestellt im Volkskunde-Museum Stein Bild: PD
Die 1977 gegründete Stiftung für appenzellische Volkskunde aus Herisau, deren Zweck darin besteht, Objekte und Malereien der appenzellischen Volkskunst zu sammeln, zu erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hat eine einzigartige Truhe aus dem 18. Jahrhundert erhalten.

Es handelt sich um eine sogenannte Wannentruhe mit Deckel und Schablonenmalerei. Diese gilt laut Marcel Zünd (Ländliche Bilderfreude, Verlag Hier und Jetzt, 2014) als Anfang der Malerei auf Möbeln. Schenker sind die Nachfahren von Rolf Alder aus Waldstatt, Anita Bäbler-Alder, Philip Hans Alder und Richard Oswald Alder.

Ursprünglich stammt diese farbliche Verzierung aus dem sakralen Bereich und verbreitete sich danach im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts in der ländlichen Gesellschaft.

Diese Schablonenmalerei wurde meist mit Schwarz direkt auf das Holz aufgetragen. Die Motive sind Ornamente mit Pflanzenranken, Spiralformen, zuweilen mit Abbildungen des Doppeladlers als Symbol des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches.

Letzteres war wohl eher im städtischen Umfeld anzutreffen, beispielsweise in Reichsstädten wie St.Gallen, die vom König und Kaiser privilegiert waren und dies bildlich an Rathäusern, auf Wappen an den Stadttoren und eben auch auf Möbeln selbstbewusst zum Ausdruck brachten.

Vorläufer von Schränken

Truhen gehören zu den ältesten Möbeln und waren die eigentlichen Vorläufer der Schränke. Sie dienten dazu, Lebensmittel, Textilien und Kleider sicher aufzubewahren. Bis ins Mittelalter war laut Thomas Rähm die Truhe das verbreitetste Behältnismöbel.

Auf dem Bild aus der Amtlichen Berner Chronik von Diebold Schilling ist im Vordergrund eine mittelalterliche Truhe mit Deckel zu erkennen. Truhen standen oft nicht direkt auf dem Boden, sondern auf einem Sockel oder anderem Unterbau, damit der Inhalt vor Nagern und Nässe geschützt war.

Der grösste Nachteil gegenüber Schränken besteht darin, dass die Kleider nicht aufgehängt werden können.

Bild: PD
In der Amtlichen Berner Chronik von Diebold Schilling aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist auf Seite 289 die Rettung von Hausrat, unter anderem einer Wangentruhe, bei einem Stadtbrand dargestellt (Burgerbibliothek Bern) Bild: PD
Stefan Sonderegger, Präsident, und Nathalie Büsser, Custodin der Volkskundestiftung