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Wirtschaft
07.05.2022
07.05.2022 20:16 Uhr

Aktienbörsen: Talfahrt setzt sich fort

Bild: zVg.
In vierter Woche in Folge sind die Aktien auf Talfahrt. In einem Umfeld von Krieg, Inflation, starker Verteuerung von Energie, Zinserhöhungen und Corona-bedingter Lockdown in China dominiert der Pessimismus.

Die Börse von Tokyo war wegen Feiertagen drei Tage lang geschlossen. Aber in den USA und Europa war normaler Handel. Der erste 1. Mai war dieses Jahr an einem Sonntag. Spielverderber war hauptsächlich die Leitzinserhöhung in den USA. Die alten Probleme bleiben hartnäckig, Krieg, Inflation, auch die wirtschaftliche Dynamik in den USA scheint sich zu verflachen. Die Chinesen kämpfen immer noch gegen Corona. Investoren sind nervös, die Aktenkurse bröckelten ab, temporäre Kurserholungen werden zu Verkäufen genutzt.

Die US-Notenbank Fed greift zur Zinskeule und erhöht den Leitzins gleich um 0.5 Prozentpunkte. Dies ist der grösste Sprung seit 22 Jahren. Damit soll die Teuerung in den USA bekämpft werden (im April 8.5%). Die Europäische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank warten weiter ab, speziell die Schweiz, wo die Teuerung momentan lediglich 2.4 Prozent beträgt.

Die Zinslandschaft hat auch Einfluss auf die Währungen, der USD ist auch 0.98 gestiegen gegenüber dem CHF und der EUR hat sich auf 1.04 erholt. Der Bitcoin ist auf 36‘000 USD gefallen.
Die Arbeitslosenquote in der Schweiz sank von 2.4 Prozent im März 2022 auf 2.3 Prozent im April. Damit erholen sich die Zahlen weiter nach der Corona-Pandemie.

Unternehmensergebnisse

Die Liechtensteinische Landesbank hält nach Abschluss ihres Angebots zur Vollübernahme aller Aktien der Bank Linth gegenwärtig 99.69 Prozent.
Einen deutlichen Rückgang des Aktienkurses von über 40 Prozent gab es bei der Industriegruppe Feintool. Kapitalerhöhung mit Anrechtsabgang waren die Gründe. Letzte Woche wurden die Konditionen der Kapitalerhöhung zur Übernahmefinanzierung des deutschen Automobilzulieferers Kienle + Spiess bekannt. Der Bezugspreis je neue Aktie liegt bei CHF 20.50, was einen Bruttoerlös von rund CHF 200 Mio. ergibt.

Die Immobiliengesellschaft Mobimo hat ebenfalls eine angekündigte Kapitalerhöhung vollzogen. Zehn alte Aktien ergaben Anrecht auf Zeichnung einer neuen zu CHF 245 (letzter Preis 273).
Als einer der wenigen Aktien erreichte Swisscom ein leichtes Wochenplus trotz grossflächiger Panne. Das Internet war am Dienstag Schweiz-weit gestört. Es gab einen Ausfall auch beim Mobilfunk und der TV- Verbreitung. Grund der Panne waren gemäss Swisscom interne Wartungsarbeiten.

Der Sanitärtechniker Geberit ist wachstums- und umsatzmässig gut unterwegs. Aber die Gewinnmarge ist leicht tiefer wegen den hohen Rohstoff- und Energiepreisen, Währungen und gestörten Lieferketten. Das Unternehmen wird seine Produktepreise anheben. Ohne Währungseffekte hätte der operative Gewinn um 2.5 Prozent zugenommen. Der Reingewinn ermässigte sich aber um 5.3 Prozent auf CHF 220 Millionen.

Der Industriekonzern OC Oerlikon startete mit hohem Wachstum ins Jahr 2022. Umsatz und Bestellungseingang stiegen um etwa je 23 Prozent auf CHF 698 Mio. bzw. 790 mit besseren Margen. Das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA verbesserte sich um 31 Prozent auf CHF 119 Mio. Für das Gesamtjahr 2022 hatte das Unternehmen einen Umsatz von rund CHF 2.9 Mrd. sowie eine EBITDA-Marge von 17,5 Prozent angekündigt.

An der Landsgemeinde wurde entgegen dem Antrag der Regierung beschlossen, die Staatsgarantie der Glarner Kantonalbank beibehalten.

Aussichten

In den USA sind weitere Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen. Die Notenbank FED ist infolge von hoher Inflation von über 8 Prozent unter Zugzwang. Leitzinserhöhungen sind jedoch stets eine Gratwanderung zwischen Inflationsbekämpfung und Notbremse der Wirtschaft. US-Ökonomen erwarten jedoch eine «sanfte Landung». In Europa ist man vorsichtiger, im Bewusstsein, dass in einer hochverschuldeten Gesellschaft diverse Schuldner unter Druck geraten könnten.

Bezüglich des Ukraine-Krieges und des Lockdowns in China gibt es noch keine guten Nachrichten. Somit gibt es zurzeit nur wenig gute Argumente für Aktienkäufe, ausser den positiven Zwischenergebnissen. Anleger benötigen weiterhin Geduld, vor allem weil aus heutiger Sicht der wirtschaftliche Schwung nachlässt.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Herisau24