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Immo & Bau
06.05.2022

Öl- und Gasheizungen: Ostschweizer Förder-Wirrwarr

Mit unterschiedlich hohen Fördergeldern unterstützen die Kantone den Wechsel von Ölbrennern zu Heizsystemen mit Wärmepumpen. (Symbolbild) Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY
Der Einbau einer Heizung mit Wärmepumpe ist teurer als ein neuer Öl- oder Gasbrenner. Kantone und Gemeinde unterstützen deshalb Hauseigentümer mit unterschiedlich hohen Fördergeldern. Ob die Beiträge ausreichen, um die gesetzten Ziele zu erreichen, ist offen.

Die Klimakrise, aber auch die Abhängigkeit von Gas oder Öl aus Russland, sind gute Gründe, Heizsysteme mit fossilen Brennstoffen zu ersetzen. Die Nachfrage nach Alternativen wie Wärmepumpen steigt denn auch markant an – wie auch die Zahl der Gesuche um Fördergelder bei kantonalen oder kommunalen Behörden.

Im Kanton St.Gallen sollen bis Ende 2023 rund 6000 Öl- oder Gasheizungen durch Wärmepumpen ersetzt werden. Dafür wurden die Fördergelder in einer Abstimmung um 17,3 Millionen Franken erhöht. Ob die seither ausgeschütteten Beiträge ausreichen, um das Ziel zu erreichen, wird sich in rund eineinhalb Jahren zeigen. Anfangs Mai 2022 lag der Zwischenstand bei 2474 neuen Heizungen mit Wärmepumpen.

Hohe Investitionen

Die Investitionen der Eigentümer liegen in der Regel deutlich höher, als für den Einbau einer neuen Öl- oder Gasheizung. Bei einer Luft/Wasser-Wärmepumpe, bei der die Umgebungsluft über ein Aussen- oder Innengerät als Wärmequelle genutzt wird, sind es Ausgaben in der Grössenordnung von 34'000 Franken. Bei einer Wärmepumpe, die mit einer Erdsonde funktioniert, muss je Tiefe der Bohrung mit Kosten um die 45'000 Franken gerechnet werden.

Bei einem Vergleich der Förderbeiträge innerhalb der Ostschweiz fällt der föderalistische Wirrwarr auf. Nicht nur setzt jeder Kanton wieder andere Schwerpunkte. Je nach Wohnort können die Hausbesitzer auch noch von zusätzlichen Beiträgen der Gemeinde profitieren. Aber auch dort gibt es unterschiedliche Konzepte.

Der Kanton St.Gallen unterstützt die Installation einer Luft/Wasser-Wärmepumpe mit 2800 Franken. Bei einer Heizung mit Erdsonde liegt der Betrag bei 6000 Franken. Bei beiden Varianten gibt es noch 350 Franken für das Anlagezertifikat dazu. Der Kanton unterstützt auch die freiwillige Installation eines Strom- und Wärmezählers mit WP-Cockpit, der die Effizienz erhöhen soll, mit 1500 Franken.

Eine Übersicht, welche St.Galler Gemeinden ebenfalls Beiträge leisten, gibt es nicht. Wer in der Stadt St.Gallen wohnt, bekommt für eine neue Heizung mit Erdsonde nochmals 1000 Franken dazu, plus 40 Franken pro Meter der Bohrung. Luft/Wasser-Wärmepumpen unterstützt die Stadt hingegen nicht, unter anderem weil sie weniger energieeffizient seien als Erdsonden-Wärmepumpen.

Je nach Kanton unterschiedlich

Höher als in St.Gallen liegen die Fördergelder im Nachbarkanton Thurgau. Für die Luft/Wasser-Wärmepumpe gibt es 4000 Franken, für die Version mit der Erdsonde 10'000 Franken. Dazu seien je nach Ausgangslage Zusatzbeiträge für die hydraulische Wärmeverteilung, für die Gesamt-Energieeffizienz oder für Solarstromanlagen möglich, ergänzte Reto Hunziker von der Abteilung Energie auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

In Appenzell Innerrhoden würden die Fördergelder «aufgrund der Leistung der Wärmepumpe berechnet», wie Thomas Zihlmann vom Amt für Hochbau und Energie erklärt. Bei einer Luft/Wasser-Wärmepumpe mit 15 KWth (Kilowatt Thermal) gibt es einen Grundbeitrag von 1600 Franken, dazu kommt ein leistungsabhängiger Teil. Macht zusammen 2500 Franken. Die gleiche Rechnung für eine Heizung mit Erdsonde ergibt einen Gesamtbetrag von 5100 Franken.

In Appenzell Ausserrhoden ist wiederum die Grösse der geheizten Gebäude massgebend. Bei einer Liegenschaft bis 250 Quadratmeter gibt es 4850 Franken, wenn eine fossile Heizung durch eine Luft/Wasserwärmepumpe ersetzt wird. Wird das neue Heizsystem über eine Erdsonde betrieben, sind es wie im Thurgau 10'000 Franken.

Änderungen sind absehbar

Ob es bei diesen unterschiedlichen kantonalen Beiträgen bleibt, ist offen. Beim Bund liegen verschiedene Vorstösse, die höhere Beträge und eine Beschleunigung der Ablösung fossiler Heizungssysteme fordern.

Im Kanton St.Gallen wurden letzte Woche die Unterschriften für die Klimafonds-Initiative von SP, Juso und Gewerkschaften eingereicht. Darin wird ein Fonds von 100 Millionen Franken verlangt, um Gas- oder Ölheizungen schneller ersetzen zu können.

sda/herisau24.ch