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Wirtschaft
24.02.2022

Erstmals in 140 Jahren: Frau wird Empa-Direktorin

Tritt am 1. Juni 2022 die Leitung der Empa an: Tanja Zimmermann Bild: pd
Der Bundesrat hat Tanja Zimmermann zur neuen Direktorin der Empa gewählt. Mit ihr übernimmt eine international renommierte Materialwissenschaftlerin – und damit erstmals in der rund 140-jährigen Geschichte der Empa eine Frau – die Leitung des Materialforschungsinstituts.

Die 54-Jährige wird ihre neue Stelle als Direktorin der Empa am 1. Juni 2022 antreten. Sie folgt auf Gian-Luca Bona, dessen Amtszeit Ende Mai nach knapp 13 Jahren an der Spitze der Empa abläuft. Auf die internationale Ausschreibung der Stelle hatten sich 19 Männer und 7 Frauen beworben. Nach einem intensiven mehrmonatigen Auswahlverfahren hat der ETH-Rat einstimmig beschlossen, dem Bundesrat Tanja Zimmermann als neue Empa-Direktorin vorzuschlagen.

Internationale Arbeiten

Tanja Zimmermann promovierte 2007 an der Universität Hamburg mit einer materialwissenschaftlichen Arbeit, die die Grundlagen für technische Anwendungen von Zellulose lieferte. Zwischen 2001 und 2012 baute sie an der Empa das Forschungsgebiet Zellulose-Nanokomposite auf und etablierte dieses in der Schweiz.

Von 2011 bis 2017 war sie Leiterin der Empa-Forschungsabteilung «Angewandte Holzforschung»; seit Herbst 2017 ist sie Direktionsmitglied und Leiterin des Departements «Functional Materials» mit rund 200 Mitarbeitenden in sechs Forschungseinheiten, die sich mit ganz unterschiedlichen Materialien befassen, von Holz- und Zellulose-basierten Werkstoffen über Beton und Asphalt, Hochleistungskeramik und Polymerfasern bis hin zu Materialien und Komponenten für Energieanwendungen.

Vor 20 Jahren bezog die Empa in St.Gallen ihre neue Adresse an der Lerchenfeldstrasse im Industriequartier Bruggen. Bild: Empa

Gleichzeitig übernahm sie die Ko-Leitung des Forschungsschwerpunkts «Nachhaltiges Bauen», in dem Themen wie Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz und die erfolgreiche Umsetzung der Schweizer Energiestrategie eine zentrale Rolle spielen. Ausserdem hat sie in den letzten drei Jahren mit ihren Mitarbeitenden die Daten-basierte Materialforschung sowie – in Kooperation mit dem «Imperial College London» – das Robotik-Zentrum an der Empa aufgebaut.

Eine echte Team-Playerin

Tanja Zimmermann hat sich in ihrer Forschung in enger Zusammenarbeit mit der Industrie sowie mit nationalen und internationalen Forschungspartnern vor allem mit der Entwicklung und Produktion von funktionalisierten holz- und zellulosebasierten Materialien mit verbesserten bzw. massgeschneiderten Eigenschaften beschäftigt. Diese sind vielseitig einsetzbar, etwa in Klebstoffen, Verpackungen und 3D-gedruckten, bioabbaubaren Strukturen für Sensor- und Energieanwendungen. Zimmermann ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des «Swiss Wood Innovation Netzwerks» (S-WIN) und Mitglied in diversen Beratungskommissionen wie dem Forum Holz des Bundesamts für Umwelt (BAFU) und dem Zentrum für zirkuläre und nachhaltige Systeme an der Universität Stockholm. Zudem ist sie Mitglied der Forschungskommission des Bundesamts für Strassen (ASTRA).

Tanja Zimmermann ist Autorin von mehr als 100 wissenschaftlichen Publikationen, «Proceedings» und Buchkapiteln sowie Mitinhaberin mehrerer Patente. Sie gewann zusammen mit ihren Teamkollegen verschiedene Innovations- und Nachhaltigkeitspreise wie den «Swiss Green Economy Symposium Award», den «Cadre d’Or» von Baukader Schweiz für herausragende Leistungen beim Bauen mit Holz und die Auszeichnung für die beste innovative Umwelttechnik an der Pollutec-Ausstellung in Lyon.

Antworten liefern auf die drängenden Herausforderungen

Die neue Direktorin möchte die Empa auch weiterhin als erste Anlaufstelle der Industrie für die Entwicklung von nachhaltigen Materialien und Technologien in den Bereichen Energie, nachhaltiges Bauen und personalisierte Gesundheit positionieren.

Als «The Place where Innovation Starts» soll die Empa in engem Dialog mit Industrie und Gesellschaft neuartige Fertigungs- und Dekarbonisierungstechnologien für zukunftsträchtige Anwendungsfelder entwickeln – und dadurch, so Zimmermann, einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, unsere Zukunft nachhaltig und lebenswert zu gestalten. Dabei werde auch die Digitalisierung und Konzepte wie Künstliche Intelligenz, «Machine Learning» und digitale Zwillinge zunehmend an Bedeutung gewinnen. «Forschung an der Empa beginnt stets mit einem fundamentalen Verständnis der materialwissenschaftlichen Grundlagen.

Auf dieser Basis entwickeln wir dann zum Beispiel Materialien mit neuartigen Eigenschaften oder technologische Ansätze, die neue Lösungswege für konkrete Probleme aufzeigen. Und schliesslich machen wir daraus, gemeinsam mit unseren Partnern aus Industrie und Wirtschaft, Innovationen, die sich – hoffentlich – am Markt durchsetzen», so Tanja Zimmermann. «Dabei stehen für mich unsere hochgradig interdisziplinär arbeitenden Mitarbeitenden mit ihrer herausragenden Fachkompetenz im Zentrum.»

mik/pd